6. Mai 2016 · Storytelling ·

«Ich brauche keine Schokolade auf dem Kopfkissen»

Gerade ist die deutsche Fussball-Nationalelf zu Gast im Hotel Giardino Ascona. Tomas Niederberghaus hat den Teammanager Oliver Bierhoff für das Giardino Magazin interviewt. Ein Gespräch über Diskretion, heimliche Vorlieben und Selfies am Pool.

Als Oliver Bierhoff noch ein Kind war, zog sein Vater jede freie Minute mit ihm zum Bolzplatz. Sie spielten sich die Bälle zu, sahen sich dabei an und erzählten Geschichten. «Automatismen entwickeln» – so nannte Vater Rolf das Training. Es hat sich gelohnt. Oliver Bierhoff macht Karriere als Fußballer. Er startet in Essen, geht zu Bayer Uerdingen und zum Hamburger SV und landet schließlich bei Inter Mailand. Mit 27 kommt er zum DFB, ein halbes Jahr später schießt er bei der Europameisterschaft in England das Golden Goal und wird zu Europas Fußballer des Jahres gewählt. Mit 1,90 Meter Körpergröße ist der 48-jährige Deutsche ein Hüne, doch seine «schlanke Figur», wie «Die Zeit» schrieb, «erinnert eher an einen Leichtathleten als an einen ehemaligen Fußballprofi – dazu das noch immer jungenhafte Gesicht und die vollen, braunen Haare». Seit mehr als zehn Jahren managt Oliver Bierhoff das Team beim Deutschen Fußball-Bund. Er gilt als diszipliniert: Sein Tag beginnt früh mit Yoga und endet spät mit dem Beantworten von letzten E-Mails. In wenigen Wochen kommt die Nationalelf mit Trainern und Beratern ins Tessin, um sich für die bevorstehende Europameisterschaft vorzubereiten. Es ist ihr inzwischen zweiter Aufenthalt im Giardino Ascona. Oliver Bierhoff sprach vorab mit dem Giardino-Magazin.

Herr Bierhoff, Sie sind zum zweiten Mal im Giardino Ascona. Welche Erinnerung haben Sie an den ersten Aufenthalt im Hotel während der EM 2008?

Oliver Bierhoff: Das Hotel ist kompakt und für unsere Bedürfnisse ideal – und es hat diesen wunderbaren Garten, in den man sich mal zurückziehen kann. Wir hatten nach dem Training tolle Abende auf der Terrasse. Ich schätze die herzliche und professionelle Gastfreundschaft des Hauses, die mit einem hohen Maß an Diskretion einhergeht.

Entscheiden Sie, welches Hotel als Quartier in Frage kommt?

Bierhoff: Wir schauen uns dafür in ganz Europa um, kommen wegen des Klimas und der Verkehrsanbindung aber immer wieder auf die Schweiz, Südtirol und Österreich zurück. Im Tessin ist
es besonders schön. Wir trainieren direkt um die Ecke des Hotels und können zu Fuß oder mit den Rädern zum Platz in Ascona.

Was gefällt Ihnen am südlichsten Kanton der Schweiz?

Bierhoff: Die Kombination aus Bergen und See sowie das mediterrane Klima sind in Europa schon einmalig. Man sieht das selten: oben auf den Bergen Schnee, unten am See Palmen. Die Lebensqualität ist hoch und die Gastronomie besonders. Für viele wirken die Menschen im Tessin ein wenig distanziert – das Tessin ist kein Ziel für Massen. Ich mag das sehr.

Was muss ein Hotel grundsätzlich haben, damit Sie sich darin wohlfühlen?

Bierhoff: Es muss Rückzugsräume bieten und eine ruhige Atmosphäre haben. Ich lege großen Wert auf den Service. Interessant ist aber auch, was ich im Hotel nicht haben muss. Mich nervt beispielsweise, wenn der Schreibtisch im Zimmer vollgestellt ist. Ich räume immer gleich alles leer, damit ich daran arbeiten kann. Noch schlimmer ist es, wenn die Angestellten am nächsten Tag alles wieder vollgepackt haben. Und was ich auch nicht mag: Wenn alle zwei Stunden vier Leute an die Tür klopfen und mir eine Schokolade aufs Kissen legen oder die Minibar kontrollieren wollen: Ich hänge immer gleich das Do-not-disturb-Schild raus.

Wie nutzt Ihr Team das Hotel konkret? Welche Services nimmt es in Anspruch?

Bierhoff: Die öffentlichen Räume eines Hotels sind wichtig, die Treffpunkte. Man muss sich immer wieder über den Weg laufen. Das Gourmetrestaurant spielt für uns keine Rolle. Wir haben einen Koch dabei, der den Menüplan vorgibt, und die Köche des Hauses setzen ihn um. Wir essen nicht à la carte, es gibt dreimal am Tag ein Buffet. Wichtig ist, dass alles frisch ist und die Bedienung freundlich und perfekt ist. Deshalb sind wir ja zum zweiten Mal im Giardino. Wir nutzen natürlich auch die Sauna, den Pool und die Bar.

Wird ein Hotel immer exklusiv gemietet?

Bierhoff: Wir kommen mit einem Team von insgesamt knapp 70 Leuten. Dazu gehören 23 Spieler plus Trainer und Betreuer. Natürlich versuchen wir immer, ein Hotel exklusiv zu mieten, wie jetzt das Giardino. Das schützt vor Fotos. Wenn die Spieler draußen am Pool liegen, unter sich sind und vielleicht auch mal lauter werden, sollen sie nicht abgelichtet werden.

Aber die Spieler posten doch auch Selfies?!

Bierhoff: Es ist etwas anderes, wenn Sami Khedira sich mit vier Spielern am Pool ablichtet und das Bild rausschickt, als wenn jemand hinter der Hecke steht und das Foto in
einem vielleicht ungünstigen Moment macht. Fotos zu posten, ist für viele Spieler bereits zu einem Teil ihres
Lebens geworden. Wir
verbieten es ihnen nicht, aber wir achten darauf, dass keine heiklen Fotos rausgehen.

Was wäre heikel?

Bierhoff: Bei Verletzungen müssen die Posts mit unserer Pressestelle abgesprochen werden. Ein Tweet wie «Sitze mit dickem Knie im Zimmer und muss nach Hause fliegen» darf natürlich nicht vor einer offiziellen Pressemeldung rausgeschickt werden. Zudem machen wir den Spielern klar, dass sie respektvoll posten müssen. Das heißt: ohne Schaden für die Mannschaft und ohne abfällige Bemerkungen über Kollegen und andere Personen. Bei allen Aktionen soll die Privatsphäre der anderen geachtet werden.

Reisen Sie privat eigentlich auch ins Tessin?

Bierhoff: Ich bin kein Europaurlauber, reise eher nach Asien oder in die USA – ganz einfach aus dem Grund, weil ich dort weniger erkannt werde.
Irgendwo läuft einem ja immer ein Deutscher oder ein Italiener über den Weg – ich habe lange in Italien gespielt.

Herr Bierhoff,
vielen Dank für das Gespräch – und toi, toi, toi für die Europameisterschaft!

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