19. Juni 2016 · Storytelling ·

Am Pool – ein Moment, den man sich leisten sollte

Für die aktuelle Ausgabe des Giardino Magazins hat Sybille Berg sich an den Pool des Giardino Ascona gelegt. Dort sind ihr wunderbare Dinge über das Leben im Allgemeinen und den Pool im Besonderen eingefallen.

Von Sybille Berg

«In einem teuren Hotel am Pool zu liegen, war das naive Bild von Glück, mit dem ich in meiner Adoleszenz durch Filme infiziert wurde. Wer an einem Hotelpool liegt, hat es geschafft. Dachte ich an all den Jahren, in denen Pools mir unzugänglich schienen. Umso mehr genieße ich es heute. Ab und zu lungere ich am Pool, fühle mich genau so, wie ich es mir als Jugendliche vorgestellt habe. Reich. Irgendwann, in einem Alter, in dem wir Magazine wie dieses lesen, erlebt man das, wovor einen früher Ältere gewarnt haben: Die Zeit vergeht schneller. Es gibt viele Untersuchungen darüber, warum sich das subjektive Zeitempfinden im Alter so beschleunigt, und zwar bei allen, sodass man nicht mehr wirklich von Subjektivität reden kann. Sind es die Wiederholungen? Sind es die Hormone? Sind es …? Egal! Wichtig ist nur, wie man mit dem Gefühl umgeht, dass alles so flüchtig wird. Und dass man sich beeilen muss mit dem, was man noch tun möchte. Vielleicht rast die Zeit auch so, weil wir uns über die Endlichkeit klar geworden sind und über den nicht vorhandenen Einfluss auf den Lauf der Dinge. Wir werden nicht alles haben können. Das Glück unserer Geburt an einem Ort in Europa, die Gesundheit, das feiert man nicht jeden Tag, es ist selbstverständlich und erzeugt kaum Vergnügen. Das Vergnügen ist weg, es ist durch leise Melancholie ersetzt worden. Nichts kann man beeinflussen, außer vielleicht ein wenig das eigene Dasein. Falls man das Glück hat, über ein bisschen Geld zu verfügen und nicht krank zu sein, kann man sich jeden Tag gegen die Ohnmacht entscheiden, die zwangsläufig aus dem Konsum von Medien resultiert. Ich verstehe immer besser, warum sich manche Menschen in die Schönheit flüchten. Gute Bücher, Theater, Ballett, Musik. Hotelpools. Die Flucht in eine Parallelwelt. Ist man weder Bill Gates noch ein Revolutionsführer, ist es das Einzige, was man tun kann. Sich mit schönen Dingen umgeben, freundlich sein und niemandem schaden. Die Erkenntnis der Lebensmitte. Und nicht unbedingt die schlechteste. Der Aufenthalt an einem schönen Pool, wie hier im Giardino, ist der kleine Luxusmoment, der mir das Gefühl gibt, es geschafft zu haben. Ich denke für ein paar Stunden nicht über die Ungerechtigkeit auf der Welt nach, denke nicht daran, dass ich irgendwann meine Tasche wieder packen und aus dem geborgten Luxusparadies verschwinden muss. Die Zeit vergeht schneller. Und wer sich ein paar Momente in ein Paradies stehlen kann, sollte es unbedingt tun. Die berauschende Wirkung einer leichten Chlorbrise, eines guten Grüntees und der perfekten Wassertemperatur unter blauem Himmel, an dessen Horizont man Bergkuppen sieht, hält so lange an, bis man es sich noch einmal leisten kann.»

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